Jemanden aufgrund seines Aussehens beurteilen?

Bewerten versus wahrnehmen. Warum Gesichtlesen nicht oberflächlich ist.




Ist es verwerflich jemanden aufgrund seines Aussehens zu beurteilen? Die meisten Menschen würden vermutlich mit "Ja" antworten. Denn ein Urteil ist absolut und gibt keinen Raum für Entwicklung. Das Ziel eines Urteils ist immer die Trennung – weiß gegen schwarz, gut gegen schlecht.


Aber gilt dieser Grundsatz auch für das Lesen im Gesicht eines Menschen? Trennen wir damit die guten von den schlechten Eigenschaften? Nein. Denn in Wirklichkeit ist Facereading das genaue Gegenteil von Bewertung und Urteil. In seiner Essenz hat es nichts mit Schönheitsidealen, ethnischen Unterscheidungen oder Ausgrenzung zu tun, auch wenn die ein oder andere Gruppierung dieses Wissen im Laufe der Jahrhunderte für sich zu missbrauchen versuchte.


Gesichtlesen ist ein Werkzeug, dass uns erlaubt, die wahre Natur eines Menschen wahrzunehmen. Es geht rein um das Erkennen von Potentialen und um das Wissen, dass wir alle Merkmale gewinnend und verlierend leben können. Mit anderen Worten: Jedes Zeichen in deinem Gesicht kommt immer in Form eines 'Double Deals'. Auf der einen Seite als Stärke oder Talent und auf der anderen als Kehrseite, die einen dazu verleiten kann in Extreme zu fallen. Ein grundsätzlich „schlechtes“ Merkmal gibt es also nicht.


Aus diesem Blickwinkel ist das Lesen im Gesicht ein mächtiges Werkzeug, um mehr Mitgefühl sich selbst und anderen Menschen gegenüber zu entwickeln, sie zu sehen, zu verstehen, zu akzeptieren und zu lieben, genauso wie sie sind. Der Schlüssel hierzu ist meist der eigene Blick in den Spiegel. Je mehr wir über uns selbst lernen sowie erkennen, dass auch wir nicht unfehlbar sind, desto weniger bringen wir die verlierenden Aspekte unserer Eigenschaften zum Ausdruck. Wir werden uns selbst gegenüber immer aufrichtiger und erkennen schneller, wenn wir von unserem goldenen Pfad abgewichen sind. Diese Fähigkeit der Reflexion in uns selbst macht uns achtsamer und offener gegenüber den Herausforderungen und sog. Schwächen unserer Mitmenschen und verstärkt unsere Empathiefähigkeit sowie Verbundenheit.